Videokapselendoskopie

> Bei Verdacht auf Dünndarmerkrankungen kann es sinnvoll sein eine Darstellung mittels einer sogenannten „Videokapselendoskopie“ anzustreben. Wir bieten Ihnen diese Untersuchungsmethode in Kooperation mit dem Johanneum Wildeshausen an.

Die Pillcam SB3 der Firma Covidien ist nicht größer als eine Vitaminkapsel und kann einfach geschluckt werden. Die Kapsel macht bei ihrer Passage durch den Dünndarm zahlreiche Fotos (2-6 Fotos/ Sekunde) je nach aktueller Passagegeschwindigkeit. Die Fotos werden kontinuierlich an einen kleinen Recorder gesendet, den der Patient am Untersuchungstag bei sich trägt (ähnlich einem Langzeit- EKG Rekorder) und auf dem die Fotos gespeichert werden. Die Kapsel kann nach Passage durch den Magen- Darmtrakt problemlos ausgeschieden werden (keine Bergung notwendig). Die Daten werden von einem für die spezielle Untersuchung ausgebildetem Arzt ausgewertet (siehe auch u.a. Link zu einem Video der Firma Covidien ehemals Given Imaging zur Erläuterung der Untersuchungsmethode).

Die genannte Untersuchungsmethode existiert seit über 10 Jahren. Sie ist gut untersucht und sicher. Bisher war es notwendig vor jeder gewünschten Videokapselendoskopie einen Einzelfallantrag bei der Krankenkasse des Patienten diesbezüglich zu stellen. Seit Juli 2014 werden die Kosten für die Untersuchung erfreulicherweise von den Krankenkassen übernommen, jedoch nur für die Klärung einer unklaren Eisenmangelanämie (Verdacht auf obskure mittlere Gastrointestinale Blutung) nach Ausschluss einer Blutungsquelle im oberen oder unteren Darmtrakt (Magen/ Dickdarm). Andere Indikationen (zum Beispiel Dünndarmbeteiligung bei Morbus Crohn etc.) müssen einzeln beantragt werden.

Bei privat versicherten Patienten erfolgt eine Kostenübernahmeantrag durch uns an die Krankenkasse, welcher erfahrungsgemäss schnell bearbeitet wird.

Vorbereitung und Untersuchungsablauf: Die Kapsel kann mit etwas Wasser problemlos geschluckt werden. Die Untersuchung verläuft schmerzfrei. Nach dem Mittagessen am Tag vor der Kapsel-Endoskopie dürfen Sie nur noch trinken (Fruchtsäfte, Wasser, Tee, Kaffee etc.) Ab dem Abend müssen Sie die notwendige Darmspülung durchführen (ähnlich einer Vorbereitung vor einer Darmspiegelung). Ihr Arzt wird Ihnen diesbezüglich genaue Instruktionen geben. Nehmen Sie ab 2 Stunden vor der Kapsel-Endoskopie keine Medikamente mehr ein. Verzichten Sie 24 Stunden vor der Kapsel-Endoskopie möglichst auf das Rauchen. Die Kapsel wird dann am Morgen des Untersuchungstages unzerkaut mit etwas klarem Wasser ohne Kohlensäure eingenommen und durch die normale Bewegung des Magen-Darm-Traktes durch die Speiseröhre, den Magen, Dünndarm und Dickdarm transportiert. Während dieser Zeit können Sie Ihrer normalen Beschäftigung (z.B. Hausarbeit, Büro) nachgehen, solange sie keinen starken körperlichen Einsatz erfordert. Einschränkungen ergeben sich lediglich dadurch, dass das System nicht wasserdicht ist. Während Sie den Rekorder tragen, dürfen Sie deshalb nicht duschen, baden oder schwimmen. Nach etwa 8 Stunden hat die Kapsel den Darm in der Regel passiert. Der Arzt nimmt Ihnen dann die Sensoren und den Rekorder wieder ab. Die Kapsel ist ein Einmalartikel und wird auf natürlichem Wege durch Ihre Darmbewegung ausgeschieden.

Der Dünndarm lässt sich bisher mit der herkömmlichen Endoskopie schwer untersuchen. Da er mehrere Meter lang ist und sehr gewunden verläuft, sind zur Dünndarmspiegelung spezielle Endoskope (Doppelballonenteroskope) erforderlich und die Untersuchung ist in der Regel besonders langwierig und kann unangenehm sein.

Seit kurzem sind auch Videokapseln für die Untersuchung des Dickdarms verfügbar.

Mögliche Komplikationen: Bisher hat die Einnahme der Kapsel zu keinerlei schwerwiegenden Komplikationen geführt. Keine der Kapseln ist während der Passage gebrochen oder wies einen Defekt an der Hülle auf. Die Batterien in der Kapsel enthalten keine gefährlichen Schwermetalle. Mit Komplikationen ist nach bisherigem Wissensstand nur zu rechnen, wenn eine Verengung im Magen-Darm-Trakt die Passage der Kapsel nicht erlaubt oder wenn vor der Einnahme auf die Kapsel gebissen wurde. Mit einer geringen Wahrscheinlichkeit von weniger als 1% besteht die Möglichkeit, dass die Kapsel nicht auf natürlichem Wege ausgeschieden wird. In diesem Falle muss die Kapsel eventuell endoskopisch oder chirurgisch entfernt werden. Selbstverständlich sollten Sie nicht zögern, den Sie betreuenden Arzt anzurufen, falls Ihnen irgendetwas Ungewöhnliches auffallen sollte oder Sie sich unwohl fühlen. Anmerkungen (z.B. besondere Risiken, Kontraindikationen [z.B. Obstruktion (Verengung), Herzschrittmacher, Schluckbeschwerden]). Hierzu wird Ihnen am Tage der Untersuchung eine Mobiltelefonnummer mitgeteilt, unter der sie den applizierenden Arzt durchgehend erreichen können.

Bei Fragen zum Thema Videokapselendoskopie sprechen Sie uns bitte an.

 

Informationsvideos der Firma Covidien:

Beispiel Morbus Crohn Dünndarm:

https://m.youtube.com/watch?v=VcYYKsGilwY